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Östrogenähnliche Wirkstoffe in der Menopausen-Pflege: Ein Leitfaden für Kosmetikstudios

Wie belastbar sind kosmetische Wirkstoffe, die bei menopausaler Haut östrogenähnliche Signalwege ansprechen sollen?

Östrogenähnliche Wirkstoffe in der Menopausen-Pflege: Ein Leitfaden für Kosmetikstudios

Der Fachbeitrag von The-ethos.co ordnet drei unterschiedliche Ansätze: verschreibungspflichtiges topisches Estriol, nicht hormonelle Moleküle wie Methyl Estradiolpropanoate (MEP) sowie pflanzliche Phytoöstrogene. Für die Auswahl im Kosmetikstudio ist vor allem die Abgrenzung zwischen hormoneller Therapie, nicht hormoneller Rezeptoraktivierung und pflanzlichen Inhaltsstoffen relevant.

Drei Wirkprinzipien, nicht ein Wirkstoff

Nach Angaben des Beitrags wird topisches Estriol, eine schwache Form von Östrogen, in Apotheken unter ärztlicher Aufsicht abgegeben. Es gehört damit nicht in dieselbe Kategorie wie frei verkäufliche Pflegeprodukte. Eine Übertragung auf kosmetische Anwendungen wäre fachlich nicht korrekt.

Die beiden ohne Rezept erhältlichen Ansätze verfolgen andere Mechanismen. Nicht hormonelle Moleküle sollen Hautrezeptoren aktivieren, die auf Östrogensignale reagieren, ohne ein Hormon in den Körper einzuführen. Phytoöstrogene, etwa Soja-Isoflavone, stammen aus Pflanzen und ähneln der Struktur von Östrogen nur teilweise. Beide Gruppen werden im Zusammenhang mit sogenannter östrogenarmer Haut vermarktet.

Für die Praxis bedeutet das: Die Bezeichnung „östrogenähnlich“ beschreibt nicht automatisch eine hormonelle Wirkung. Sie kann sich auf eine molekulare Struktur, auf eine Rezeptorinteraktion oder lediglich auf die Positionierung eines Produkts im Markt beziehen. Die INCI-Liste und die konkrete Wirkstoffbezeichnung bleiben entscheidend.

MEP verfügt über die klarste klinische Dokumentation

Als am besten klinisch dokumentierte nicht hormonelle Option nennt der Beitrag MEP, ausgeschrieben Methyl Estradiolpropanoate. Der patentierte Wirkstoff ist Bestandteil der Produktlinie Emepelle von Biopelle. Das Unternehmen stellt laut Quelle ausdrücklich heraus, dass MEP kein Östrogen und keine Hormonersatztherapie ist. Außerdem soll der Wirkstoff keine Wirkungen an anderen Stellen des Körpers auslösen können.

Eine offene Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte eine Augencreme der Marke. Im Journal of Drugs in Dermatology wurde berichtet, dass bei 26 von 31 Frauen eine klinische Verbesserung der periorbitalen Region festgestellt wurde. Die Teilnehmerinnen gaben zudem eine Verbesserung ihrer Zufriedenheit mit dem Erscheinungsbild dieser Hautpartie um 47 Prozent an.

Diese Daten sind relevant, aber eng begrenzt. Untersucht wurde eine konkrete Augencreme an einer kleinen Gruppe. Daraus lässt sich keine allgemeine Aussage über jede MEP-Formulierung, jede Hautzone oder jede Behandlungssituation ableiten. Für eine apparative Behandlung liefern solche Ergebnisse zudem keinen direkten Wirksamkeitsnachweis. Licht-, Radiofrequenz- oder Ultraschallverfahren arbeiten mit anderen physikalischen Parametern und dürfen nicht über den verwendeten Pflegewirkstoff gleichgesetzt werden.

Phytoöstrogene: messbare Effekte, aber geringere Evidenz

Für Phytoöstrogene verweist der Beitrag auf eine Übersichtsarbeit des Journal of Integrative Dermatology. Danach wurden Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Fältchen beschrieben. Diese Effekte seien jedoch geringer ausgeprägt als bei topischen Östrogentherapien.

Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2009 beobachtete postmenopausale Frauen über sechs Monate. Dabei wurde ein Anstieg der epidermalen Dicke um 9,46 Prozent gemessen. Bei 86 Prozent der Teilnehmerinnen wurde außerdem ein signifikanter Anstieg der Kollagenfasern festgestellt. Die Quelle nennt diese Untersuchung als Grundlage für zwei Produkte von Paula Begoun.

Auch hier ist die Einordnung entscheidend. Eine Pilotstudie mit einem bestimmten Untersuchungsdesign ist kein Beleg für eine universelle Wirkung im Studioalltag. Nicht geklärt ist durch die vorliegenden Angaben, wie stark einzelne Rezepturen variieren, welche Konzentrationen eingesetzt wurden und ob die Resultate auf andere Produkte übertragbar sind.

Für Kundinnen mit menopausaler Haut sollte deshalb zunächst die Wirkstoffklasse identifiziert werden. Ein Produkt mit Phytoöstrogenen ist nicht mit MEP gleichzusetzen. MEP wiederum ist kein Ersatz für ärztlich verordnetes Estriol. Der Markt wächst schnell; The-ethos.co nennt eine Prognose von 2,92 Milliarden US-Dollar für den weltweiten Markt für Hautpflege in der Menopause bis 2033. Die Marktgröße sagt jedoch nichts über die Qualität eines einzelnen Produkts aus.

Vor einer apparativen Behandlung bleibt daher zu prüfen, welche Pflege aktuell verwendet wird, ob eine ärztlich begleitete hormonelle Anwendung vorliegt und welche Aussage der Hersteller tatsächlich belegt. Entscheidend sind Wirkstoff, Konzentration, Anwendungsbereich und Studiendaten. Der Begriff „östrogenmimicking“ allein ist kein klinischer Parameter.

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